Studie zum Thema „Soziales Kompetenztraining bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung“

Elterninformation zur Teilnahme an einer Studie, die an den Unikliniken in Würzburg, Frankfurt, Mannheim, Homburg, Aachen und Köln durchgeführt werden wird:  

„Soziales Kompetenztraining bei Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störung“

Sehr geehrte Eltern,

Ihr Kind leidet an einer autistischen Störung. Sie kennen es deshalb gut, dass für Ihr Kind der soziale Umgang mit Gleichaltrigen in der Schule und Freizeit, mit Lehrern an der Schule und teilweise auch zuhause mit Eltern und Geschwistern nicht immer ganz einfach ist.Bisher gibt es wenige gut untersuchte Psychotherapieverfahren bei Kindern und Jugendlichen mit autistischer Störung und unauffälliger Intelligenzentwicklung, während medikamentöse Behandlungsverfahren vergleichsweise gut untersucht sind. Wir führen deshalb an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Würzburg eine randomisiert kontrollierte Studie zur Untersuchung der Effekte einer Gruppentherapie bei Kindern und Jugendlichen mit autistischer Störung sowie unauffälliger Intelligenzentwicklung durch und wollen untersuchen, ob diese Therapie zu einer verbesserten sozialen Interaktion Ihres Kindes im Alltag führt. Eine solche randomisiert kontrollierte Studie ist notwendig, um den Effekt dieser Gruppentherapie zu belegen. Das hat z.B. auch Auswirkungen auf Leistungen der Krankenkasse, die in Zukunft immer mehr davon abhängig gemacht werden, ob der Effekt einer bestimmten Therapie durch methodisch gut durchgeführte Studien belegt ist. Mit Ihrer Teilnahme und der Teilnahme Ihres Kindes sichern Sie also langfristig die Möglichkeit, Psychotherapien bei Kindern und Jugendlichen mit autistischer Störung als Leistung der Krankenkassen bezahlt zu bekommen.Da es Hinweise gibt, dass die individuelle Reaktion auf psychotherapeutische Therapien durch bestimmte funktionelle genetische Varianten moduliert wird, führen wir auch eine Blutabnahme durch, damit wir gezielt einzelne funktionelle genetische Varianten untersuchen können. Falls Sie und Ihr Kind an der Teilnahme an weiteren genetischen Studien interessiert sind, erhalten Sie diesbezüglich noch ein spezielles, ausführlicheres Informationsblatt.

Ziel der Studie

Wir wollen vergleichen, ob die sozialen Ausdrucks- und Interaktionsfähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen mit autistischer Störung und unauffälliger Intelligenzentwicklung nach einer Gruppentherapie über 12 Wochen dauerhaft besser sind als die von Kindern und Jugendlichen, die diese Therapie – zunächst – nicht erhalten haben.

Ablauf der Studie

An dieser Studie werden insgesamt 220 autistische Kinder und Jugendliche an sechs verschiedenen Universitätskliniken teilnehmen (Aachen, Frankfurt, Homburg, Köln, Mannheim und Würzburg). Vor Aufnahme in die Studie wird die Vorgeschichte Ihres Kindes erhoben sowie eine ausführliche diagnostische und ärztliche Untersuchung mit freiwilliger einmaliger Blutentnahme (ca. 30 ml) durchgeführt, bevor Ihr Kind zufällig einer Gruppe zugeordnet wird. Die Teilnahme Ihres Kindes an der Studie wird sechs Monate dauern. In diesem Zeitraum findet einmal pro Woche über 12 Wochen eine autismusspezifische Gruppentherapie á 90 Minuten mit etwa fünf Kindern pro Gruppe statt. Vor Beginn der Gruppentherapie, nach sieben Wochen und eine Woche nach Abschluss der Therapie finden Elternabende zur ausführlichen Information und Diskussion statt. Vor den drei Terminen der Elternabende werden Ihnen Fragebögen zur Beurteilung und Bewertung des Verhaltens ihres Kindes ausgeteilt, die Sie bei dem Elternabend bitte abgeben mögen. Drei Monate nach Abschluss der Intervention werden Sie ebenfalls darum gebeten diese Fragebögen auszufüllen um Stabilitätseffekte überprüfen zu können.Wenn Sie Interesse daran haben, dass Ihr Kind an der Studie teilnimmt, wird zunächst zufällig gelost, ob Ihr Kind direkt an der Gruppentherapie teilnehmen kann oder erst zu einem späteren Zeitpunkt. Da es sich um eine kontrollierte Studie handelt, kann es sein, dass Ihr Kind erst in 7 oder 8 Monaten an der Gruppentherapie teilnehmen kann. Wenn Ihr Kind zu der Gruppe gehört, die noch etwas warten muss, wäre es dennoch wichtig, dass Sie und Ihr Kind jetzt direkt an den Voruntersuchungen teilnehmen und Sie die Fragebögen bei den Elternabenden ausfüllen. Die drei Elternabende finden auch statt, wenn Ihr Kind (noch) nicht an der Gruppentherapie teilnehmen kann.

Andere Behandlungsmöglichkeiten

Wenn Ihr Kind an der Studie teilnimmt, kann eine bereits begonnene medikamentöse Therapie, Ergotherapie, Logopädie, Einzelpsychotherapie oder pädagogische Unterstützung in der Schule wie bisher fortgeführt werden. Auch sämtliche Maßnahmen, die durch das Jugendamt angeboten werden, wie z. B. familienunterstützende Maßnahmen oder die schulische Unterstützung anhand eines Integrationshelfers, können wie bisher weitergeführt werden. Falls Ihr Kind an der Studie und der Gruppentherapie nicht teilnehmen soll, stehen Ihnen selbstverständlich die regulären ambulanten, teilstationären und stationären Angebote der Klinik zur Verfügung. Hierfür können Sie sich jederzeit über unsere Institutsambulanz anmelden. Wartezeiten sind aufgrund des hohen Patientenaufkommens jedoch einzuplanen. Freiwilligkeit und vorzeitige Beendigung der UntersuchungDie Teilnahme an der Studie ist freiwillig. Sie können Ihr Einverständnis jederzeit, ohne Angabe von Gründen und ohne Nachteile für die weitere medizinische Versorgung ihres Kindes, zurückziehen. Bei Rücktritt wird bereits gewonnenes (Daten-) Material vernichtet, es sei denn, Sie stimmen zu, dass Sie trotz Ihres Rücktritts mit der Auswertung des Materials einverstanden sind. Sollten Sie zu einem späteren Zeitpunkt Ihre Entscheidung ändern wollen, setzen Sie sich bitte mit der Studienleiterin in Verbindung.

Mögliche Risiken

Bezüglich der Psychotherapeutischen Behandlung in der Gruppe ist kein Risiko anzunehmen. Durch die Blutentnahme kann eine Rötung oder ein Hämatom (blauer Fleck) entstehen. Falls Sie oder Ihr Kind eine Gerinnungsstörung aufweisen bzw. ein gerinnungshemmendes Medikament einnehmen, ist von der Blutentnahme abzuraten. Entsprechend sensible Personen können möglicherweise Kreislaufprobleme bekommen. In ganz seltenen Fällen kann es zu lokalen Entzündungen der Haut bzw. des Gefäßes oder zu Nervenschädigungen kommen.

Nutzen aus der Teilnahme an der Studie

Mit der Teilnahme an der Gruppentherapie kann die Erkrankung ihres Kindes aller Wahrscheinlichkeit nach positiv beeinflusst werden. Wir gehen davon aus, dass sich durch die Teilnahme an der Intervention positive Veränderungen im Sinne einer gesteigerten sozialen Ansprechbarkeit sowie positive Effekte im prosozialen Verhalten nachweisen lassen. Wir können jedoch nicht vollständig ausschließen, dass die Gruppentherapie vielleicht auch keinen Effekt auf das Verhalten Ihres Kindes hat. Die Ergebnisse der Studie tragen zudem insgesamt dazu bei, dass für autistische Kinder und Jugendliche eine wirksame Behandlung gefunden wird. Als Universitätsklinik sind wir stetig bemüht, unser Wissen über psychische Erkrankungen zu erweitern und therapeutische Maßnahmen für zukünftige Generationen von Kindern zu optimieren. Dies ist allerdings immer nur mit Hilfe von freiwilligen Teilnehmern an unseren Forschungsprojekten möglich. Wir freuen uns deshalb sehr über Ihre Teilnahme und die Teilnahme Ihres Kindes an der vorliegenden Studie.

Datenschutz

Wir unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht.
                                                                                                   
Alle von uns erhobenen Daten sowie die Ergebnisse der molekulargenetischen Untersuchungen werden in pseudonymisierter Form, also ohne Namensnennung, auf elektronische Datenträger gespeichert und ausgewertet. Publikationen erfolgen selbstverständlich vollständig anonym. Sie können zu jedem Zeitpunkt Ihre Bereitschaft mitzuarbeiten widerrufen und die Löschung Ihrer Daten verlangen. Die Datenschutzbestimmungen sind gewährleistet.Es ist denkbar, dass die Ergebnisse der genetischen Untersuchungen als geistiges Eigentum (z. B. Patente) geschützt oder für wirtschaftliche Zwecke benutzt werden können. Unsere Forschergruppe behält sich das alleinige Recht auf alle Untersuchungsergebnisse (einschließlich der von Ihnen gegebenen Blutprobe) in Übereinstimmung mit dieser Einverständniserklärung vor. Sollte Ihr Kind nicht an einer weiteren genetischen Studie teilnehmen, wird die restliche DNA der Blutprobe Ihres Kindes nach Abschluss der vorliegenden Studie vernichtet.Bitte haben Sie Verständnis für unser Anliegen. Wir möchten dazu beitragen, die Behandlung seelischer Erkrankungen zu verbessern. Wir sind Ihnen dankbar, wenn Sie sich bereit erklären, an dieser Untersuchung teilzunehmen, auch wenn Ihr Kind aufgrund der zufälligen Zuordnung zu der zunächst nicht behandelten Gruppe möglicherweise auf eine Gruppentherapie warten muss. Wir stehen Ihnen für Rückfragen gerne zu Verfügung. Sie können uns unter den unten angeführten Telefonnummern erreichen. Eine Kopie dieses Informationsblattes wird Ihnen ausgehändigt. Um die Qualität der Gruppentherapie an allen teilnehmenden Universitätskliniken überprüfen und sichern zu können, werden stichprobenartig Videoaufnahmen von 1-2 Therapiesitzungen angefertigt. Hierzu erhalten Sie ein separates Informations- und Einverständniserklärungsblatt.

Ansprechpartner:

Dr. med. R. Taurines Tel.: (09 31) 2 01 – 76050 Dipl.-Psych. B. Martin Dr. T. Jans, Dipl.-Psych. E-Mail: taurines@tagesklinik-wuerzburg.de

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