Ein zentrales Thema – Angst

Angst ist seit der Kindheit ein Thema, das meinen Alltag ständig begleitet.
Um trotz der vielen Ängste im Leben zu recht zu kommen, habe ich früh damit begonnen, Vermeidungsstrategien zu entwickeln, um den Situationen, vor denen ich Angst habe, ausweichen zu können, was leider nicht immer möglich ist.

An erster Stelle steht dabei die Angst vor Ärzten.
Schon als Kleinkind habe ich mich so gefürchtet, dass ich laut geschrien habe, sobald ich einen weißen Kittel sah. Die Ärzte mussten im grauen Anzug zu uns nach Hause kommen, damit ich mich überhaupt von ihnen untersuchen ließ.
Dabei ist mir – auch aus den Erzählungen meiner Eltern – nicht bewusst, woher diese Angst kam, ob es dafür einen konkreten Anlass gab.
Ich denke, es liegt einfach an meiner generellen Angst vor allen unvorhersehbaren Ereignissen, vor dem Nichtwissen, was auf mich zukommt.
Ein Satz, den ich früher immer ausgesprochen habe, wenn ich mich verletzt hatte oder krank war, lautete: „Ist das schlimm?“
Ich hoffte, eine entsprechend beruhigende Antwort von meinen Eltern zu bekommen, ein klares „Nein“ .
Aber ich wiederholte die Frage immer wieder, weil die Angst vor dem Unvorhersehbaren blieb.

Noch heute gehören Arztbesuche für mich zu den Situationen, vor denen ich mich am meisten fürchte und die ich, soweit es möglich ist, vermeide.
Geht dies aufgrund einer akuten Erkrankung nicht, bedeutet das für mich Stress.
Dann bekomme ich Schweißausbrüche, Herzrasen und werde so unruhig, dass ich nicht schlafen kann. Mit schaukelnden Bewegungen (Jaktationen) oder ständiger Wiederholung meines Lieblingsliedes versuche ich, der Angst entgegen zu steuern, sie erträglich zu machen.

Ähnlich ergeht es mir immer dann, wenn ich mich neuen, unbekannten Ereignissen stellen muss, sei es einem wichtigen Gespräch oder der Begegnung mit fremden Menschen.

Alles Unvorhersehbare erzeugt massive Angst.

Aufgrund dessen stehe ich unter einer permanenten Anspannung, die bei Außenstehenden den Eindruck von Hyperaktivität erweckt und an manchen Tagen beinahe unerträglich ist.
Am liebsten würde ich mich in einer solchen Situation in mich und meine Welt zurückziehen und von niemand mehr angesprochen werden. Oft reagiere ich auf äußere Signale nicht mehr und bin ganz in meine Gedanken versunken.

Neue Situationen versuche ich immer und immer wieder in meinem Kopf durchzuspielen, um sie für mich begreifbar zu machen.
Was genau könnte passieren und wie werde ich mich entsprechend verhalten?
Das sind die beiden Fragen, um die es geht und deren Antwort nicht in einem durchstrukturierten Muster verfügbar ist, welches mir die notwendige Sicherheit geben und meine Angst schmälern würde.
Daher bevorzuge ich gleich bleibende Tagesabläufe, deren Struktur mir bekannt ist und die dadurch vorhersehbar sind. Kleine Veränderungen sind möglich, solange sie von mir ausgehen und dementsprechend rechtzeitig eingeplant werden können.
Aber ein unvorhergesehener Zwischenfall bringt meinen ganzen Tagesrhythmus durcheinander und löst erst einmal Angst und Panik aus, weil ich unfähig bin, mich spontan darauf einzustellen.

Wichtig wäre es mir, meinem Umfeld klar zu machen, dass meine Ängste keine Hirngespinste sind, sondern eine sehr ernst zu nehmende Sache.
Kommentare wie: „Du Feigling“, „Mensch, bist du ein alter Angsthase“ oder: „Davor musst du nun wirklich keine Angst haben, das ist doch lächerlich“, helfen mir nicht weiter, vor allen Dingen dann nicht, wenn ich das Gefühl habe, dass man sich über meine Angst lustig macht.
Die Tatsache, dass ich meine Ängste bisher aus Scham verschwiegen habe, hat dazu geführt, dass ich in der Vergangenheit immer wieder unter psychosomatischen Beschwerden, wie Magenschmerzen, Kopfweh, Durchfall und Hautjucken litt.

Heute möchte ich, dass sich meine Mitmenschen einmal mit meinen Ängsten auseinandersetzen und mir helfen, besser damit zurecht zu kommen. Ich will mich nicht mehr verstellen müssen, nur um zu funktionieren und nicht aufzufallen.

2 Gedanken zu „Ein zentrales Thema – Angst

  1. das tut mir echt leid das man damit so kämpfen muss ;(
    da muss man echt voll stark für sein.
    Ich find das auch net feige sondern mutig.
    Und : Wer keine Angst hat kann auch keinen Mut haben/zeigen!

  2. Ganz genau so ist das bei mir auch… treffender hätte ich es nicht ausdrücken können. Inklusive Magenbeschwerden und Neurodermitis… Danke, Sabine!

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