Hilferuf statt Egoismus

Gedanken einer Asperger-Autistin zum Thema Egoismus

Es gibt immer wieder Situationen im Alltag, die ich alleine nicht zu meistern weiß, wo ich die Hilfe eines Anderen – meist einer vertrauten Person – benötige.
Am besten sofort, weil mir diese Situation bzw. das Bewusstsein, sie alleine nicht bewältigen zu können, Angst macht und ich dann nur schlecht warten kann.
Oft versteht die Person, die ich um Hilfe gebeten habe, aber meine Notlage nicht und winkt mit den Worten ab, es sei doch alles nur halb so schlimm und ich solle bitte kein Drama daraus machen. Ich sei doch ein erwachsener, intelligenter Mensch.
Das wiederum kann ich dann gar nicht verstehen, fühle mich im Stich gelassen und empfinde diesen Menschen in diesem Augenblick als sehr egoistisch, weil er mir seine Unterstützung verwehrt, die ich gerade so dringend bräuchte.

Was heißt Drama, wenn mir die Angst davor, eine Situation nicht bewältigen zu können, die Kehle zuschnürt und ich an nichts anderes mehr denken kann?
Was heißt „alles nur halb so schlimm“, wenn ich wie ein Tiger im Käfig auf und ab laufe und unfähig bin, mich zu beruhigen.

Diese Angst ist etwas Reelles, das meinen strukturierten Alltag und meine emotionale Verfassung aus dem Gleichgewicht bringt und mich zum Handeln zwingt. Je eher, desto besser.
Am Ende verzweifle ich daran, dass der Andere mich und meine Hilflosigkeit nicht versteht, keinen dringenden Handlungsbedarf sieht und meinem Drängen auf eine schnelle Lösung mit den Worten „das hat doch sicher Zeit“ oder „du wirst dich gedulden müssen“ nicht nachgibt und die Situation bagatellisiert (Für ihn mag es wirklich nur eine Bagatelle sein, für mich aber ein unüberwindbares Problem). Dabei gibt es für mich in dem Moment nichts Wichtigeres, auch, wenn sich das für den Anderen egoistisch anhören mag und oft auch so empfunden wird.

Aber das ist kein Egoismus, sondern lediglich ein Hilferuf.
Eine dringende Bitte, mir aus einer Situation zu helfen, die mir Angst macht und der ich schnellstmöglich entkommen möchte, damit mein Alltag wieder das strukturierte Muster bekommt, in dem ich mich sicher fühle und das ich so sehr brauche.

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