Nein, diese Sahne esse ich nicht

Der Essensplan meines Sohnes war nie sehr abwechslungsreich. Hat er sich aus seinem nicht gerade umfangreichen Repertoire für ein Gericht entschieden, dann will er dieses gleich mehrere Tage hintereinander essen – immer und immer wieder.
Aber es muss gleich schmecken und gleich aussehen – nur bitte keine Veränderung. Denn diese führt bis heute dazu, dass er – trotz Hunger – keinen Bissen anrührt und zu heftigen Reaktionen neigt.

So auch bei einer seiner Lieblingsspeisen Tortellini in Sahnesauce, die er sich immer von seinem Opa wünscht. Dabei muss die verwendete Sahne aber von einer bestimmten Firma sein (nicht aus Markenbewußtsein, das kann auch die billigste sein, sondern weil die schmeckt und er andere Sorten dann gar nicht mehr auspropbieren möchte), sonst gibt es schon im Vorfeld Diskussionen, in denen er mir mitteilt, dass er nichts essen wird, selbst, wenn er verhungern müsste. Und dabei bleibt er dann auch rigoros.

Genauso ist es mit Getränken, die eine bestimmte Temperatur haben müssen, damit er sie trinkt. Ist die Schorle einmal zu kalt, dann gibt es Protestgeschrei, ist sie zu warm, bleibt sie auch stehen mit den Worten: „Dann verdurste ich lieber.“

Nahrungsmittel, die einmal auf dem Tisch gelegen haben, isst er nicht mehr, weil die nun dreckig seien, steckt aber Finger ungeniert in den Mund, nachdem er stundenlang mit Geldstücken gespielt hat.

Bei manchen Gerichten möchte er die Sauce auch auf einen separaten Teller, weil es sonst nicht schmeckt oder einfach nur nicht gut aussieht.

Früher habe ich immer versucht, ihn trotz seiner Reaktionen dazu zu bringen, diese Dinge dann zu essen, weil ich die Beweggründe seiner Verweigerung nicht kannte und sie nur für trotziges Verhalten und das Austesten von Grenzen gehalten habe. Das anschließende Theater war jedes Mal sehr nervenaufreibend. 

Heute weiß ich, dass diese eigentümlichen Essgewohnheiten ganz typische Verhaltensweisen von Kindern mit Asperger-Syndrom sind und habe einen Weg gefunden, darauf einzugehen und trotzdem noch Spaß am Kochen und Essen zu haben.

2 Gedanken zu „Nein, diese Sahne esse ich nicht

  1. Hallo Sunny,

    das ist schon richtig. Rigide Essgewohnheiten alleine sind kein Indiz für Autismus, aber sie gehören zu den typischen Verhaltensweisen von autistischen Kindern.
    So hätte auch ich früher nie aufgrund des Essverhaltens meines Sohnes auf Asperger-Syndrom geschlossen, sondern gehofft, dass es sich irgendwann auswächst.

    LG Sabine, die nun endlich weiß, warum ihr die Haare ausfallen *lach*

  2. Interessant über was ich hier so stolpere!

    Ich habe ein Kind, welches bis heute (ist erwachsen) keine „Auffälligkeiten“ zeigt. Zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr wollte es nur Kartoffeln essen – nur!! Es war echt der Wahnsinn … die ganze umgebende Familie schlug die Hände über dem Kopf zusammen und prophezeite mir ausfallende Zähne ( … die noch gar nicht alle da waren ;-)) , Haarausfall (… Haare waren auch noch nicht viel vorhanden ;-)) usw.

    Natürlich fragte ich mal nach, beim sowieso fälligen Kinderarzt – Termin. Der sagte: Lassen sie nur … das gibt’s häufig, das legt sich wieder.

    Und so war es!

    Aber aufgrund familiärer Disposition kann ich mir gut vorstellen, daß solche „Phasen“ auch bei sog. gesunden Kindern vorhanden sind. Mit Asperger hätte ich es jetzt nicht in Verbindung gebracht – macht aber Sinn …

    LG sunny

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