Wie sage ich es … – Brief einer betroffenen Mutter

Liebe(r) …

Das Asperger Syndrom, kurz AS, ist eine Form des Autismus.
AS ist angeboren und nicht heilbar.
Durch eine veränderte Form der Wahrnehmungsverarbeitung erleben Betroffene die Welt völlig anders als „normale“ Menschen und können unter anderem soziale Verhaltensweisen nicht oder nur eingeschränkt nachvollziehen und ihnen darum auch nur schlecht entsprechen.
Sie haben große Mühe, Stimmungen und Gefühle anderer zu deuten.
Das heißt nicht, dass sie gefühllos seien!
Doch sie verhalten sich nur selten so, wie „die Normalbevölkerung“ es als angemessen empfinden würde.
Sie können soziale Regeln nicht intuitiv erfassen, so wie Sie und ich das gewohnt sind, sondern müssen sie mühsam über Logik erlernen und haben darum besondere Schwierigkeiten mit den situationsabhängigen „Feinheiten“, die für uns selbstverständlich scheinen.
Dies verursacht nicht nur oft verständlichen Unwillen Anderer, sondern meist auch große soziale Ängste bei ihnen selbst.

Bitte, nehmen Sie es darum nicht „persönlich“, wenn mein Sohn Sie nicht ansehen oder Ihnen nicht antworten sollte oder wenn er gar mit Schimpfworten (zum Teil leider recht üblen – ich habe sie ihm nicht beigebracht!) oder auch dem Versuch von Handgreiflichkeiten reagieren sollte. Sie entstehen aus seinem verzweifelten Versuch heraus, sich abzugrenzen und zu schützen. In diesem Moment ist ihm nicht bewusst, wie sehr sein Verhalten verletzen kann, denn er kann nicht zugleich seine intensiven Gefühle und auch Ihre Gefühle und für ihn eben nicht „selbstverständliche“ soziale Regeln wahrnehmen und sortieren.
Zudem sind „Aspies“ sehr sensibel und verarbeiten auch alle Sinnesreize „anders“.
Sie sind meist überempfindlich gegen Lärm, Licht, Geschmacksreize, Gerüche, Berührungen usw., können aber zugleich auch in bestimmten Bereichen Reizen gegenüber unterempfindlich sein, sie verzerrt oder verzögert erleben oder dies alles gleichzeitig.
Das Ganze auch noch variierend und sich oft sehr plötzlich verändernd.
Menschen mit Autismus haben große Probleme mit Veränderungen gewohnter Umgebungen, Abläufe und Bezugspersonen.
Auch dies alles kann zu recht „merkwürdigem“ Verhalten führen, das ihnen aber ein Gefühl der Sicherheit und Ordnung vermittelt.
Hinzu kommen weitere Aspekte, die hier aufzuführen aber zu weit führen würde. Verbesserungen im Sozialverhalten lassen sich nur in geringem Ausmaß und nur durch sehr viel Geduld, Einfühlungsvermögen, wiederholten Erklärungen und langem Training erreichen.

„Normale“ Erziehungsstrategien führen bei solchen Kindern nicht zum Ziel, sondern können die Situation noch verschlimmern.
Allzu rigid konsequentes Insitieren führt lediglich zur Eskalation der Situation, darum vertrauen Sie bitte meiner Erfahrung, auch wenn mein Erziehungsstil Ihnen sonderbar erscheinen mag. Er ist mit Spezialisten abgesprochen und sogfältig durchdacht, auch wenn er „nicht so wirkt“…

Quelle: autismus-etcetera.de/Wie sag ich es

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